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Reisebericht Impressionen aus Chengdu und Qinghai, Herbst 1997 |
Chengdu DER VORMITTAG war noch dem Wenshu-Kloster gewidmet. Ich gehe zu Fuß dorthin, auf dem Wege kommen wir an vielen kleinen Läden vorbei, in denen Papierattrappen von kleinen Häusern, Autos, und Geld angeboten werden. Es sind Grabbeigaben, die Verstorbenen sollen ihre Umgebung auch im Jenseits nicht vermissen. Das Kloster, das eindrucksvolle tibetische Buddhafiguren in verschiedenen Hallen birgt, ist sehr weitläufig und wir gehen von einer Halle zur anderen und sind immer wieder fasziniert von der Vielfalt, besonders auch dem lebendigen Alltagsleben und der großen Gläubigkeit der Menschen hier. Mit liebevollen Bewegungen streichen sie über das Eingangsgitter, die Figuren vor den Hallen und übertragen dann die Energie auf den eigenen Körper. Auch wir zünden Räucherstäbchen und Kerzen, ich genieße die Ruhe und den Frieden in diesen Hallen, verarbeite die vielen Eindrücke. Auf dem Gelände des Klosters gibt es ein Teehaus, in dem wir noch einen Jasmintee genießen und anschließend geht es mit einer Rikscha zum Hotel zurück. Qinghai LANGE spaziere ich am See entlang, fotografiere den Sonnenuntergang, bestaune immer wieder diese Gegend, die Weite des Sees, umgrenzt von schneebedeckten Bergen. Ein paar Kormorane und Gänse, dann noch ein paar kleine Enten, schwimmen im See. Am Ufer Vögel, sonst ist alles ruhig. Habe gelesen, daß es auch viele Fische in diesem See gibt. Nachdem die Tibeter keinen Fisch essen, sehe ich keine Fischerboote. Gehe wieder zurück zu der Straße, die von Peking nach Lhasa führt, muß es mir immer wieder sagen: Du bist jetzt wirklich hier, Du bist am Kuku-Nor. AM NÄCHSTEN TAG spannt sich ein Regenbogen über den See. ZUM FRÜHSTÜCK halten wir an der Straße bei einem kleinen Restaurant, das von Mosleminnen geführt wird. Drei Tische, der Ofen in der Mitte, auf der Seite die Küche, alles offen - es riecht wundervoll nach einer Suppe. Ein herrliches Frühstück mit Fladenbrot, Gemüse-Nudelsuppe und Acht-Köstlichkeiten-Tee. DIE FAHRT GEHT WEITER zum Kumbum-Kloster, einem der sechs größten Gelbmützen-Klöster des tibetischen Buddhismus, gebaut 1577, Geburtsort von Tsong Khapa, dem Gründer des Gelbmützen-Ordens. Einst lebten hier 3600 Mönche, heute nur noch 300. Das Kloster ist auch bekannt wegen der Yakbutterfiguren: Buddhafiguren, Landschaften mit Tieren und Bäumen werden jedes Jahr neu geformt und bemalt. Ein großes Areal mit verschiedenen Tempeln, Stupas, großen Statuen fasziniert uns. Pilger, die aus verschiedenen Gegenden Tibets kommen, bevölkern die Straßen und Wege. Ein Gewirr von Menschen, die durch die verschiedene Bekleidung alles viel bunter machen. WEITER GEHT ES durch eine sehr hügelige Gegend, immer auf einer Höhe zwischen 2500 und 3000 m Höhe. Bauerndörfer, in denen emsig gearbeitet wird, gedroschen, und zwar auf eine sehr lustige Art. Der Roggen wird nach der Ernte auf hohen Balustraden in Bündeln getrocknet, ebenso die Bohnen. Jetzt im Herbst wird gedroschen, indem die Bündel auf die Straße geworfen werden, und wenn die Autos darüberfahren, fallen die Getreidekörner heraus und die Bauern die Spreu von den Körnern. Bei den Bohnen wird genauso verfahren. Es ist immer wieder lustig zu sehen, wie die Bauern emsig die Bündel auf die Straße werfen, teilweise können Autos nicht über die hohen Getreideberge fahren. Es ist auch erntezeit für Tomaten, Äpfel, Lauch, Zwiebeln. Frauen mit schweren Körben auf dem Rücken kommen zu Sammelstellen. Mit Babys auf dem Rücken stehen andere Frauen an der Straße und verkaufen frische Früchte. FAST IM DUNKELN kommen wir, nach einer Fahrt durch canyonartige Landschaften, in Tongren an. Ein kleines Lokal, in dem nach unserer Ankunft emsiges Leben entsteht - das Gemüse, der Fisch und das Huhn werden bei den Nachbarn besorgt, das Bier wird auch von außen geholt. Ein anderer Gast - offensichtlich ein Tibeter - bringt nochmals sechs Flaschen Bier zu uns und heißt uns willkommen. WIR SIND wieder überrascht, wie willkommen wir geheißen werden und auch wie fein innerhalb kurzer Zeit gekocht wird. NICHT WEIT ENTFERNT ein kleines Dorfkloster hinter Lehmmauern, dort gibt es viel Gelächter und Spaß. Die gutgelaunten Mönche rühren gerade Tsampa an, einer von uns darf probieren und hat das ganze Gesicht voll Mehl. Ich probiere auch, der Geschmack ist gut. DIE CANYONS sehen wir heute im Tageslicht, sind begeistert, wie der Gelbe Fluß die Landschaft prägt. Er hat sich sein Bett gegraben und die fruchtbaren Flußlandschaften wechseln ab mit karstigen, steinigen Canyons. Die Dörfer verändern sich und der Anteil der islamischen Bevölkerung steigt wieder an. |